frühling


namensloslandstrich

braune wiesen am westhang

das mondlicht bricht durch

 

föhnschleierwolken

sonnendurchfluteter wald

plötzlich ein windstoß

 

über den dachfirst

zieht rauschend ein kranichschwarm

frühlingserwachen

 

glitzerndes tauen

in die täler strömt lauluft

das land belebt sich

 

hurtiges bächlein

lange schatten vom berggrat

grenzen farne ein

 

mein blick trifft den hang

fängt steine im jähen sturz

kurz vor dem aufprall

 

arbeitsreicher tag

außer atem gieße ich

blumen am hoftor

 

vom grat läuft eilig

ein mächtiger sonnenstrahl

verliert sich im fall

 

nach dem platzregen

schwarzgraue wolkenschatten

jagen vorüber

 

fernab am waldrand

suchendes scheinwerferlicht

wendet sich talwärts

 

 

sommer


vor sonnenaufgang

noch fehlte der schwere duft

blühender gärten

 

sommergeraune

aus wiesengrundtauplätzen

stockenten gründeln

 

flirrende hitze

über einsamer straße

im gebüsch stille

 

tollkühner sturzflug

gegen die mittagswende

mauerseglerschrei

 

fußspuren im sand

der wind verweht sie langsam

sommertag am meer

 

drückende hitze

der nachmittag atmet schwer

wartet auf kühlung

 

sonnenuntergang

ein falke stößt himmelwärts

lässt beute fallen

 

staubtrockene luft

aufbrechender wolkensaum

ich eile ins haus

 

nächtlicher donner

regen in breiten strömen

blitzartig ruhe

 

 

herbst


dem bergwald entsteigt

ein krächzender vogelruf

zieht mit dem nebel

 

dämmernder himmel

in der stadt glimmen lichter

vertreiben den tag

 

raschelndes herbstlaub

ein junge trägt zeitung aus

steinwürfe entfernt

 

berstende funken

feuer frisst sich durchs totholz

rauchsäule steigt auf

 

rosentaublätter

im wind zur seite geknickt

trotzen dem abschied

 

herbstliche birken

schönheit der goldenen pracht

zeit steht im sturmwind

 

an blauer hauswand

balkone im windschatten

verwaistes gestühl

 

entlaubte bäume

zu früh schon im alten jahr

käfer träumt weiter

 

wildgänse fliegen

am horizont dunkles grau

regen netzt die flur

 

drüben beim nachbarn

verweilt mein träumender blick

niemand zu hause

 

 

winter


schneebedeckte flur

wachtelnester erstarren

im bach erstes eis

 

zwischen den wolken

spärlicher kaltschattenstau

vögel in schwärmen

 

das haar aufgesteckt

blütengesäumt das brautkleid

schnee kommt von osten

 

langsamer flusslauf

packeis reibt sich am bootssteg

wolfsgeheul ringsum

 

trommeln ertönen

hohe wälle am stadtrand

kundschafter laufen

 

lärmendes fußvolk

geldwechsler räumen den tag

beim schlagbaum wächst moos

 

nasskalter dorfplatz

unter den dächern ruhe

ein hund bellt heiser

 

gewitterwolken

graupel folgt dem donnerschlag

wind stiebt übers eis

 



Fortsetzung folgt!